„Das beste Curry ist das auf der Wurst“

In der Reihe BrustPUNKT informierte ein Schulmediziner über die Wirksamkeit naturheilkundlicher Verfahren.

Brustkrebs – die Diagnose ist für Betroffene ein Schock. Zu den Zukunftsängsten gesellt sich oft auch eine große Unsicherheit darüber, welches die beste Therapie ist und wie man diese optimal unterstützen kann. In der Vortragsreihe „BrustPUNKT“ des Brustzentrums im Elisabeth-Krankenhaus Kassel gab Prof. Dr. med. Josef Beuth von der Universitätsklinik Köln nun eine unterhaltsame Orientierung und wertvolle Hilfestellung bei der Auswahl naturheilkundlicher Verfahren, die nachweislich wirksam und unbedenklich sind.

„Ich freue mich, mit Professor Beuth eine Koryphäe auf dem Gebiet der Komplementärmedizin in unserer Reihe ‚BrustPUNKT‘ begrüßen zu können“, sagte Dr. Sabine Schmatloch, Chefärztin des Brustzentrums im Elisabeth-Krankenhaus in Kassel. Prof. Beuth ist der erste Schulmediziner in Deutschland, der sich mit der wissenschaftlichen Evaluation natürlicher Heilungswege beschäftigt hat.

Bereits zu Beginn seines gut einstündigen Vortrags machte der Wissenschaftler deutlich, was er von selbsternannten Experten und von falschen Mitteln hält. „Ich bin immer bereit zu einer Diskussion: aber bitte auf wissenschaftlicher Basis“, sagte Prof. Beuth. Denn zu groß sei das Geschäft mit der Angst. So fand Beuth auch deutliche Worte mit Blick auf Außenseiterverfahren wie aus dem Bereich der Homöopathie oder den vielfältigen Immuntherapien wie Fiebertherapie, Ozon oder Eigenblut. „Praktisch alle Studien zu Immuntherapien weisen gravierende methodische Mängel auf. Auch ist deren Nutzen oft äußerst zweifelhaft“, erklärte der Wissenschaftler. Einzig die Misteltherapie könne zweckmäßig sein. „Sie empfiehlt sich in der Palliativmedizin, da sie dazu beiträgt die Lebensqualität zu verbessern“, informierte er. Außenseiterverfahren können dagegen die in den S3-Leitlinien beschriebenen Standardtherapien sogar verhindern, verzögern oder beeinträchtigen. „Diese Verfahren sind oft nicht auf ihre Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit getestet“, warnte er.

Stattdessen solle man gelassen bleiben und auf den eigenen Körper hören. „Fragen Sie sich bei allem was Sie tun immer wieder: Was ist gut für mich?“, riet er den mehr als 50 interessierten Frauen und Männern. „Denken Sie immer daran, Komplementärmedizin ist keine Krebstherapie! Naturheilverfahren alleine können nicht heilen.“ Sehr wohl können diese aber helfen vorzubeugen oder Nebenwirkungen der Standardtherapie zu reduzieren und so ein Stück Lebensqualität zurückgeben. Es sind einfache Tipps, die der Schulmediziner dem Publikum in seiner kölschen Art locker vermittelte: „Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und eine gesunde Psyche.“
So dürfen auch Frauen ruhig etwas fülliger sein. „Normalgewicht bedeutet nicht gertenschlank zu sein“, sagte Prof. Beuth. Allerdings sollte es Muskelmasse sein, die den Körper etwas stämmiger erscheinen lässt. Denn diese trage zu einem gut funktionierenden Stoffwechsel bei. „Denken Sie daran: Essen soll Spaß machen“, erklärte er und warnte: „Es gibt keine Krebsdiät.“ Auch der Genuss von Alkohol sei zulässig. „Ich sehe keinen Grund warum eine Frau keinen Alkohol trinken sollte – wenn sie denn das entsprechende Alter hat“, sagte er. Eine Flasche Rotwein pro Woche könne das Risiko eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls deutlich senken. „Allerdings können sie dies auch mit ausreichend Bewegung erreichen.“

„Bleiben Sie aktiv“, sagte Prof. Beuth. Wer sich drei bis vier Stunden in der Woche bewegt, kann die Nebenwirkungen während der Krebstherapie um bis zu 40 Prozent senken. Dabei müsse es kein Leistungssport sein. „Wichtig ist, dass Sie Freude bei der Bewegung empfinden und es gerne machen. Das stärkt nicht nur ihre körperliche Abwehrkraft, sondern auch ihre Psyche. Nehmen Sie die Angebot der Psychoonkologie an.“

Von Nahrungsergänzungsmitteln hält Prof. Beuth dagegen nichts: „Das beste Curry ist das auf der Wurst.“ Denn auch wenn bestimmte Inhaltsstoffe wie das in dem Gewürz enthaltende Curcurmin im Labor einen Effekt auf die Krebszelle zeigten, „so scheitert es in der Realität oft schon daran, dass diese Wirkstoffe im Körper gar nicht bei den Krebszellen ankommen“, erläuterte er. Viel effektiver sei es daher, normal zu essen – und sich zu bewegen.

Bei Bedarf können Brustkrebspatientinnen ein Selen-Enzym-Linsenextrakt nehmen. „Dieses Extrakt kann ergänzend zu den Standardtherapien genommen werden und steigert nachweislich ihr Wohlbefinden“, informierte Prof. Beuth. Die Kombination der Wirkstoffe schütze vor Gelenkbeschwerden, Knochenschmerzen und dem Austrocknen der Schleimhäute. Bei Taubheitsgefühl in Füßen oder Beinen hilft Vitamin E. „Wenn Sie eine Taxan- oder Platin-haltige Chemo erhalten, nehmen Sie zweimal 300 Gramm pro Tag – sie werden begeistert sein“, sagte er. Wer zu Infekten neigt, könne auf Eberrautee zurückgreifen. „Ein altbewährtes Mittel aus der Eifel, sehr wirkungsvoll“, erklärte der Wissenschaftler.

Am Ende hatte Prof. Beuth nur noch einen letzten Rat – für die Männer: „Lassen Sie Ihre Frau während dieser schweren Zeit nicht im Stich, stärken Sie ihr den Rücken!“ So könnten auch die Partner sehr dazu beitragen, dass die Frau die Therapie gut durchstehen kann.

Prof. Dr. med. Josef Beuth informierte im Elisabeth-Krankenhaus Kassel über die Wirksamkeit naturheilkundlicher Verfahren.
Mehr als 50 Frauen und Männer folgten im Vinzenzsaal den Ausführungen des Schulmediziners.
Dr. Sabine Schmatloch, Chefärztin des Brustzentrums im Elisabeth-Krankenhaus Kassel, mit Prof. Dr. med. Josef Beuth.