20.03.2017

St. Martini Geburtshilfe schließt zum 30. Juni 2017

Rund 80 Spender geben rund 14.500 Euro. Bundesweites Problem kann nicht lokal gelöst werden.

Bis zum 10. März 2017 lief die Spendenaktion für den Erhalt der Geburtshilfe bis Ende 2017. Rund 80 Spender gaben dafür rund 14.500 Euro und die Förderinitiative sagte projektbezogene Mittel zur Unterstützung der Geburtshilfe in Höhe von 5.000 Euro zu. Das für dieses Jahr erforderliche Spendenziel von 125.000 Euro wurde damit nicht erreicht und das deutliche Zeichen zum Erhalt der Geburtshilfe nicht gesetzt.

Krankenhausleitung und Förderinitiative danken trotzdem all denjenigen, die mit ihrer Spende den Erhalt der Geburtshilfe unterstützen wollten. Die Förderinitiative wird kurzfristig die rund 80 Spender kontaktieren, um vereinbarungsgemäß die zweckgebundenen Spenden zurückzuerstatten.

In Veranstaltungen und Gesprächen waren in den vergangenen Wochen Krankenhausträger und Krankenhausgeschäftsführung mit Vertretern der Stadt, politischen Vertretern, den betroffenen Mitarbeitern, Akteuren des Aktionsbündnisses und weiteren engagierten Bürgern in einen intensiven Dialog gegangen, um Probleme und Beweggründe der Entscheidung transparent zu machen und alternative Lösungsmöglichkeiten zu sondieren. Dabei ist überaus deutlich geworden, dass die Probleme keine hausgemachten sondern bundesweit bestehende Probleme sind, die nachhaltig nur auf höherer politischer Ebene gelöst werden können. Fehlende Wirtschaftlichkeit bei demografiebedingter geringer Geburtenzahl, steigenden Kosten durch wachsende Anforderungen an Betrieb und Personal sowie der fehlende Personalnachwuchs sind hier die zentralen und vom Krankenhaus nicht beeinflussbaren Faktoren.

„Leider ist nicht zu erwarten, dass sich die notwendigen Variablen – Verdoppelung der Geburtenzahlen oder ersatzweise entsprechende höhere Vergütung pro Geburt über einen sogenannten Sicherstellungszuschlag der Krankenkassen – in absehbarer Zeit so ändern, dass ein dauerhaft wirtschaftlicher Betrieb auf qualitativ höchstem Niveau möglich würde. Daher kann ich die vom Träger getroffene Entscheidung nachvollziehen, an der Schließung zum 30. Juni 2017 festzuhalten“, erklärt Krankenhausgeschäftsführer Markus Kohlstedde. „Trotzdem danken wir allen, die sich für St. Martini und für den Erhalt der Geburtshilfe eingesetzt haben. Auch als großer Arbeitgeber in Duderstadt sind wir dankbar für das hohe Maß der Identifikation mit unserem Haus. Wir brauchen gerade in dieser Zeit den Rückhalt und das Vertrauen aller Eichsfelderinnen und Eichsfelder, um auch künftig eine großes Leistungsspektrum anbieten zu können.“

Für die Organisation der Angebote um die Geburt herum, wie Geburtsvorbereitungskurse, Schwangerengymnastik und Rückbildungskurse, sagt der Krankenhausgeschäftsführer den freiberuflichen Hebammen die volle Unterstützung des Hauses zu, beispielsweise auch durch Bereitstellung von räumlichen Kapazitäten. Die hierfür notwendigen vertiefenden Gespräche mit den beteiligten Personen werden unverzüglich geführt.

Nach Jahren defizitärer Ergebnisse hat es St. Martini geschafft, mit konsequenter Entwicklung des Leistungsprofils, zielgerichteten Investitionen, sehr guter Arbeit und auch dem wirtschaftlichen Beitrag aller Mitarbeiter, der Ende vergangenen Jahres vom Hause zurückbezahlt werden konnte, in den vergangenen drei Jahren in die schwarzen Zahlen zu kommen. Damit hat das Haus – im Gegensatz zu vielen anderen kleinen Häusern der Grund- und Regelversorgung in ländlichen Regionen – die Grundlagen für eine langfristige Zukunftssicherung gelegt: Die Erhöhung der Planbettenzahl auf 140 Betten sowie die Zusage der Investitionsförderung sind dafür Beleg. So wird das Haus ab 2018 in drei Bauabschnitten in den kommenden zehn Jahren auch baulich auf einen modernen Standard gebracht. „Diese Zukunftssicherung wird getragen vom Land Niedersachsen, von unserer Sozialministerin Cornelia Rundt und wurde wesentlich begleitet von unserem Landtagsabgeordneten Lothar Koch sowie unserem Bürgermeister Wolfgang Nolte“, erklärt Markus Kohlstedde.

„Träger und Geschäftsführung stehen in der wirtschaftlichen Verantwortung für die gesamte Einrichtung, als großer Arbeitgeber am Ort für mehr als 400 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (+31 Vollkräfte seit 2014 eingestellt) und mit einem Umsatzvolumen der gesamten Einrichtung von rund 29 Mio. Euro als wichtiger volkswirtschaftlicher Faktor im Eichsfeld. Mitunter sind auch harte Entscheidungen wie im Falle der Geburtshilfe nötig, um den Standort langfristig zu sichern und den Menschen hier auch in Zukunft eine möglichst umfassende wohnortnahe und qualitativ hochwertige Versorgung zu bieten“, erklärt Kohlstedde abschließend.