20.12.2016

Zukunftskurs St. Martini

Bauinvestitionen: Krankenhausplanungsausschuss bewertet Förderantrag von St. Martini positiv. Abschied von defizitärer Geburtshilfe per 31.06.2017.

In der vergangenen Woche konnte die Krankenhausleitung bereits über die positive Entscheidung zum Antrag auf Planbettenerhöhung berichten. Nun überbrachten der Landtagsabgeordnete Lothar Koch und Bürgermeister Wolfgang Nolte der Krankenhausleitung eine weitere positive Nachricht aus dem Haus der Sozialministerin Cornelia Rundt. Der Krankenhausplanungsausschuss bewertet den Antrag auf Investitionsförderung des Krankenhauses St. Martini ebenfalls positiv. Damit kann das Krankenhaus nun in die Detailplanung der Maßnahmen gehen, um St. Martini baulich und strukturell den heutigen Erfordernissen und Standards eines modernen Krankenhauses anzupassen. Das Investitionsvolumen beträgt rund 10 Mio. Euro. Der Start der Baumaßnahmen ist für das erste Halbjahr 2018 geplant.

Im Einzelnen soll eine Zentralisierung von Funktionsabteilungen erfolgen, wirtschaftliche Stationsgrößen angelegt und Patienten für ihre Behandlung optimaler durchs Haus geleitet werden. So ist unter anderem beabsichtigt einen Anbau des bestehenden Bettenflügels umzusetzen, um eine Verdopplung der bestehenden Stationsflächen zu erreichen.

Träger und Krankenhausleitung stehen dazu seit mehr als einem Jahr in einem intensiven Austausch mit Politik, Ministerium, Oberfinanzverwaltung und Vertretern der Kranken- und Ersatzkassen. „Ich freue mich, dass diese Gespräche so erfolgreich verlaufen sind, und auch der Krankenhausplanungsausschuss unser Konzept auf diese Weise würdigt“, sagt Markus Kohlstedde.

Im Rahmen der langfristigen Zukunftssicherung von St. Martini gilt es trotzdem, sich nicht auszuruhen und die Ausrichtung der Einrichtung beständig zu überprüfen. Dabei muss sich in einem kleinen Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung jede Fachabteilung finanziell tragen. „Hier stehen wir in Verantwortung den Vinzentinerinnen gegenüber, die in der letzten Dekade vor 2014 anfallende Defizite in zweistelliger Millionenhöhe getragen haben. Mit höchstem finanziellen Risiko haben die Ordensschwestern das Überleben des Hauses gesichert“, betont der Geschäftsführer. Mit der Gründung des Vinzenz-Verbundes Hildesheim wurde eine moderne zentrale Struktur geschaffen, die die Leistungsfähigkeit und Strategie der einzelnen Häuser unterstützt. Voraussetzung für eine positive Zukunftsentwicklung ist dabei, dass sich die Einrichtungen selber tragen und investitionsfähig sind.

Die Geburten im Krankenhaus St. Martini bewegen sich seit Jahren konstant auf niedrigem Niveau (2010: 320; 2011: 342; 2012: 348; 2013: 285; 2014: 341; 2015: 331; 2016 (Hochrechnung): 327) und der auch im Eichsfeld starke demografische Wandel erfordert leider, sich auf die aktuelle Situation einzustellen. Deswegen werden die Angebote der chirurgischen und inneren Disziplinen ausgebaut. Das Teilgebiet der Geburtshilfe wird zum 30.06.2017 aufgegeben.

Die Entscheidung ist den verantwortlichen Gremien intensiv diskutiert worden, Alternativen wurden geprüft, doch die Demografie lässt sich nicht aufhalten.

Für einen kostendeckenden Betrieb würde das Krankenhaus 550 bis 600 Geburten pro Jahr benötigen, von denen das Krankenhaus aber nur gut die Hälfte erreicht. Die in der Geburtshilfe anfallenden Verluste in jährlich sechsstelliger Höhe können hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit des gesamten Hauses leider nicht länger verantwortet werden. Die Vorhaltekosten, um die Qualität und den Betrieb rund um die Uhr mit hochqualifizierten Ärzten und speziell ausgebildeten Pflegekräfte sicherzustellen, sind so hoch, dass sie sich nur mit ausreichend Geburten finanzieren lassen. Markus Kohlstedde erklärt: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geburtshilfe haben einen wertvollen Beitrag zur positiven Ausstrahlung des St. Martini geleistet. Die wirtschaftlichen und demografischen Fakten ändern nichts an der guten fachlichen und menschlichen Arbeit des geburtshilflichen Teams. Dafür gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mein besonderer Dank.“

„Allen angestellten Mitarbeitern haben wir eine Weiterbeschäftigung angeboten. Mit den beiden Fachärzten sind wir im Gespräch“, klärt Kohlstedde über die notwendigen personellen Veränderungen auf.

„Für die in St. Martini betreuten Schwangeren werden wir mit den Anbietern im Umfeld in Gespräche gehen, um eine zeitgerechte Information und eine gute Anschlussversorgung der werdenden Mütter nach dem 30.6.2017 sicherzustellen“, verspricht der Geschäftsführer und betont: „Für die Verkündung solcher Entscheidungen gibt es leider keinen günstigen Zeitpunkt. Dennoch sind wir der Überzeugung, dass es keine Alternative zu diesem Schritt gibt. Insofern sind wir dankbar für das Verständnis, das uns seitens der Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und Gesundheitswesen signalisiert wurde.“

Insgesamt also gegen den Bundes- und Landestrend gute Perspektiven für St. Martini, allerdings verbunden mit dem schon schmerzhaften Einschnitt bei der Geburtshilfe.