29.09.2017

Erneute Auszeichnung für das Vinzenzkrankenhaus Hannover

Konzept zur nächtlichen Betreuung von Demenzerkrankten gewinnt zweiten Preis der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen e.V.
  • (v.l) Dr. theol. Matthias Fenski, Krankenhausdirektor des Vinzenzkrankenhauses Hannover, Sigrid Müller-Zenner, Demenzbeauftragte des Vinzenzkrankenhauses Hannover, Cornelia Rundt, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, und Prof. Jürgen Brommer, Vorstandsvorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen.
    (v.l) Dr. theol. Matthias Fenski, Krankenhausdirektor des Vinzenzkrankenhauses Hannover, Sigrid Müller-Zenner, Demenzbeauftragte des Vinzenzkrankenhauses Hannover, Cornelia Rundt, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, und Prof. Jürgen Brommer, Vorstandsvorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen.

Für ihr Konzept zur „Betreuung für unruhige und kognitiv eingeschränkte Patienten durch Sitzwachen in der Nacht“ als Ergänzung zum bereits 2016 ausgezeichneten Rahmenprojekt „Das Vinzenzkrankenhaus auf dem Weg zum Demenzsensiblen Krankenhaus“ hat das Vinzenzkrankenhaus Hannover den zweiten Preis der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen für „Besonders demenzsensible Projekte“ gewonnen. Der Preis ist insgesamt mit 12.000 Euro dotiert und wurde gestern Abend feierlich im Neuen Rathaus in Hannover verliehen.

„Es freut uns sehr, dass die Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen das von unseren Mitarbeiterinnen erarbeitete neue Projektkonzept wieder ausgezeichnet hat“, so Geschäftsführer Michael Hartlage. „Aufgrund des demografischen Wandels nimmt die Diagnose ‚Demenz‘ bei der Behandlung des eigentlichen Krankheitsbildes an Bedeutung rapide zu. Wir haben den Handlungsbedarf frühzeitig erkannt und nehmen uns des Themas seit zwei Jahren umfassend an.“

Bereits 2015 hat das Vinzenzkrankenhaus zwei Stabsstellen für Demenzbeauftragte geschaffen. Zwei weitere Mitarbeiter sind in der Zwischenzeit dazu gekommen, um eine verbesserte Versorgung von Patienten mit Demenz sicherzustellen und Belastungen für alle Beteiligten auf ein Minimum zu reduzieren. Dafür wurden unter anderem Fort- und Weiterbildungsprogramme für alle Mitarbeiter konzipiert, ehrenamtliche Demenzbegleiter geschult, eine Beschäftigungs- und Orientierungsbox eingeführt oder das Projekt eines „Wohnzimmers mit tagesgestaltenden Aktivitäten für mobile Patienten“ geplant.

Das neue Konzept sieht vor, für die Betreuung von dementiell erkrankten Patienten in der Nacht sogenannte Sitzwachen bereitzustellen – keine ausgebildeten Pflegekräfte, sondern Personen, die sorgfältig von der Pflegedienstleitung ausgewählt und dann intensiv geschult werden, um verwirrten und unruhigen Patienten in der Nacht Sicherheit, Betreuung und Orientierung zu geben. „Während unserer Arbeit wurde deutlich, dass die nächtliche Versorgung von kognitiv eingeschränkten Patienten ein bislang zu wenig beachtetes Problemfeld darstellt“, sagt Sigrid Müller-Zenner als offizielle Demenzbeauftragte. „Demenz-Patienten stellen häufig, vor allem für das nächtliche Personal, eine enorme Herausforderung dar, da sie dann verstärkt aktiv sind. Diese Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus ist typisch und muss adäquat begleitet werden, um beispielsweise Stürze zu verhindern und eine kontinuierliche ruhige pflegerische Versorgung aller Patienten sicher zu stellen.“

Dieses Engagement hat die Jury der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen überzeugt, die bei den Bewerbungen um den Preis auf die Innovation, Qualität des Projekts, die Praxistauglichkeit, Übertragbarkeit und Nachhaltigkeit achtete. „Das Beeindruckende an der Bewerbung des Vinzenzkrankenhauses ist, dass das Vorhaben als eine direkte Reaktion auf Wünsche von Angehörigen sowie des nächtlichen Personals konzipiert wurde“, hebt Reza Mazhari von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V., dem Kooperationspartner der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen, hervor. „Die Kontinuität, die durch die Schaffung des Personalpools mit der flexiblen Nachbesetzung der Stellen sowie die Steuerung von Schulungsmaßnahmen durch die Demenzbeauftragten gegeben ist, hat die Jury bewogen, den zweiten Platz an dieses Konzept zu vergeben, bei dem die Nachhaltigkeit an vorderster Stelle steht.“

„Wir freuen uns sehr über diese erneute Auszeichnung und über das Preisgeld in Höhe von 3000 Euro. Wir werden die Summe unter anderem für die Schulung der Sitzwachen verwenden“, erklärt Sigrid Müller-Zenner. „Außerdem werden die neuen Mitarbeiter natürlich für ihre Nachtdienste entlohnt – auch dafür brauchen wir die nötigen finanziellen Mittel.“

Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt lobte die hohe Praxisorientierung der ausgezeichneten Projekte und unterstrich die Bedeutung des Themas Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus. Demenz sei aufgrund des demografischen Wandels ein Thema, das immer wichtiger werde – dazu bedürfe es unter anderem auch eines kompetenten Personals, das bei einem Klinikaufenthalt den Betroffenen die Angst vor dem Fremden nehmen könne. „Mein Dank geht an die Krankenhäuser, die mitmachen, denn wir brauchen Lösungen für diese Menschen und Häuser, die sich des Themas annehmen.“